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Kirche – Idee und Wirklichkeit
"Vertikales Schisma" (Eugen Biser).
Die Kirche als Volk Gottes und das Verhältnis von Klerus und Laien
Ein Riss geht durch die Kirche. Professor Paul Zulehner zum Verhältnis zwischen Klerus und Laien
"Dass die Laien den Klerikern bitter feind sind, überliefert das Altertum, und auch die Erfahrungen der Gegenwart geben es deutlich zu erkennen." Dieses Wort Papst Bonifaz’ VIII. aus dem Jahr 1276 zitierte der bekannte Wiener Pastoraltheologe Professor Paul M. Zulehner in einem Vortrag über das Verhältnis zwischen Klerus und Laien in der Katholischen Kirche am 29. Februar. Zulehner sprach im Rahmen der Vortragsreihe "Kirche – Idee und Wirklichkeit" der Eugen-Biser-Stiftung.
Der Theologe und Religionsphilosoph Eugen Biser sprach 1989 erstmals von einem "Vertikalen Schisma" in der Kirche. Er umriss damit den Riss, der innerhalb der Kirche zwischen dem Kirchenvolk und der Kirchenleitung verläuft. Vertikal sei dieses Schisma, weil der Riss "von oben nach unten" verlaufe, zwischen einer Kirche (von) oben und einer Kirche (von) unten.
Das II. Vatikanische Konzil habe, im Gegensatz dazu, von einer "wahren Gleichheit in der allen Gläubigen gemeinsamen Würde" gesprochen, rief Zulehner in Erinnerung.
Ohne Prälaten und Eminenzen
Als Konsequenzen für eine solche Kultur der Gleichheit aller an Würde und Berufung nannte Zulehner: Die Verbundenheit aller Getauften in wahrer Gleichheit, als Schwestern und Brüder, ohne Väter und ohne Prälaten, Eminenzen und Hochwürden. Des Weiteren ein angemessenes Maß an Beteiligung, wie es auch im Kirchenrecht festgehalten sei: Was alle als Einzelne angehe, müsse auch von allen angenommen werden. Das Aufgeben eines klerikal-autoritären Amtsstils. Schließlich eine gepflegte Konfliktkultur. Es gehe nicht an, jegliche Kritik von Haus aus als Illoyalität zu verwerfen. Das verbreitete Harmoniebedürfnis sei ein Zeichen von Stagnation und Reformunwilligkeit.
Abwehrklerikalismus
So sei man bei einer großen Priesterumfrage im Jahr 2 000 auf das Phänomen des "sekundären Abwehrklerikalismus" gestoßen. Der äußere sich in dem Versuch, die Ausweitung der seit dem Konzil eingerichteten Aufgaben von haupt- oder nebenamtlichen Laien wieder zurückzunehmen: Keine Laien in der Gemeindeleitung, Ausschluss aus liturgischen Diensten. Gerade jüngere Priester setzten wieder auf die Autorität des Klerus. Pfarrgemeinderäte seien bei ihnen unerwünscht, die Wiedereinführung der Tridentinischen Liturgie werde begrüßt.
Gleichzeitig erlebe man eine wachsende Frustration vieler Frauen und Männer in den Pfarrgemeinderäten. Die pastoralen Gremien müssten mehr synodale Recht bekommen, um für moderne Menschen attraktiv zu sein. Auch in dieser Hinsicht gebe es eine latente klerikale Machtstruktur.
Kluft zwischen Männern und Frauen
Ausführlich ging Zulehner auf die "Österreichische Pfarrerinitiative" von 300 Priestern und deren "Aufruf zum Ungehorsam" ein. Sie erwarteten von der Kirchenleitung Reformen, und zwar insofern, "als sie das, was die Gemeinden und Pfarrer schon längst tun, auch kirchenamtlich legitimieren", etwa in der Frage der Pastoral für wiederverheiratete Geschiedene. Gefordert würden u. a. auch die Rückholung laisierter Priester, die Weihe von Verheirateten und die Ordination von Frauen.
Mit Nachdruck kritisierte Zulehner die nach wie vor bestehende "Kluft zwischen Männern und Frauen" in der Katholischen Kirche. Die Kirche bestehe nach wie vor weithin aus dienenden Frauen und leitenden Männern. Modern fühlende Frauen seien in der katholischen Kirche kaum noch präsent. Dies zeige sich nicht nur in der Ordinationsfrage, sondern auch in Bereichen, in denen Leitungsaufgaben keine Weihe voraussetzten. "Ob das die Leitung Katholischer Akademien ist, die Übernahmen von Lehrstühlen an theologischen Fakultäten, die Arbeitsverteilung in Pfarrgemeinderäten. "Immer noch werden Männer bevorzugt und Frauen benachteiligt", sagte der Pastoraltheologe wörtlich.
Sechste Veranstaltung der Vortragsreihe "Kirche - Idee und Wirklichkeit"
am Mittwoch, dem 29. Februar 2012, um 19.00 Uhr
im Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Alfons-Goppel-Straße 11 (Marstallplatz), 80539 München.
Programm
Begrüßung und Einführung
Prof. Dr. Richard Heinzmann
Vortrag: "'Vertikales Schisma' (Eugen Biser). Zum Verhältnis von Klerus und Laien"
Prof. Dr. Paul M. Zulehner
Anschließendes Podiumsgespräch
Prof. Dr. Richard Heinzmann (Moderation)
Professor em. für Christliche Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, Vorsitzender des Stiftungsrates der Eugen-Biser-Stiftung
Prof. Dr. Dr. Helmuth Pree
Professor für Kirchenrecht, insbesondere für Theologische Grundlegung des Kirchenrechts, allgemeine Normen und Verfassungsrecht sowie für orientalisches Kirchenrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München
Dr. Petra Maria Steinmair-Pösel
Universitätsassistentin (Post-Doc) am Institut für Sozialethik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien
Prof. Dr. Dr. Paul M. Zulehner
Professor em. für Pastoraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien
Diskussion mit dem Auditorium
Ausklang bei einem Stehempfang mit Brot und Wein
Kostenbeitrag
Der Kostenbeitrag beträgt
10,00 Euro pro Person,
5,00 Euro für Mitglieder des Freundeskreises der Eugen-Biser-Stiftung e.V.
Für regulär Studierende ist der Eintritt frei.
Anmeldung
Um Anmeldung wird gebeten. Gerne können Sie dafür das folgende Formular verwenden und ausgefüllt per E-Mail oder Fax an die Eugen-Biser-Stiftung senden:
Anmeldeformular als Word-Formular
Anmeldeformular als PDF-Dokument
Eugen-Biser-Stiftung
Pappenheimstraße 4
80335 München
Telefax: +49-(0) 89-18 00 68-16
E-Mail: kontakt (at) eugen-biser-stiftung.de
Veranstaltungsort
Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Alfons-Goppel-Straße 11 (Marstallplatz), 80539 München
Vor dem Gebäude der Akademie bestehen keine Parkmöglichkeiten.
Öffentliche Verkehrsanbindung
U-Bahn: U3, U4, U5, U6 Odeonsplatz
S-Bahn: S1-S8 Marienplatz
Tram: 19 Nationaltheater
Bus: 100 Odeonsplatz
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