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Kirche – Idee und Wirklichkeit
Prof. Dr. Martin M. Lintner OSM: "Die traditionelle Sexualmoral der Kirche und die personale Dimension menschlicher Sexualität"
Achte Veranstaltung der Vortragsreihe
Mittwoch, 20. Juni 2012, um 19.00 Uhr
im Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften München
Sendetermin in BR-alpha
in der Reihe "Denkzeit – Zeit zum Mitdenken, Nachdenken und Vordenken"
Samstag, 24. November 2012, 22.30 Uhr
Die Sendung steht nach der Ausstrahlung sieben Tage in der Mediathek von BR-alpha zur Verfügung.
"Die traditionelle Sexualmoral der Kirche und
die personale Dimension menschlicher Sexualität"
Der Konzilstheologe Josef Ratzinger bezeichnete es als entscheidende Wende des Zweiten Vatikanischen Konzils, dass in der Lehre über Ehe, Familie und Sexualität dem "generativen" ein "personales" Verständnis entgegengetreten ist. Freilich scheint der Anspruch dieses Paradigmenwechsels mit seinen anthropologischen und ethischen Implikationen bis heute nicht umgesetzt worden zu sein, sodass nach fast 50 Jahren die damalige Frage Ratzingers weiterhin aktuell bleibt, ob nämlich "alles beim Alten" geblieben sei bzw. die antiken, leibfeindlichen Deutungsmuster der traditionellen Sexualmoral letztlich doch nicht überwunden worden seien.
Der Brixner Moraltheologe Professor Dr. Martin M. Lintner versucht, ausgehend von natur- und humanwissenschaftlichen Erkenntnissen sowie auf dem Hintergrund einer Anthropologie, die die Bedeutung der Gewissensfreiheit und den Umgang mit der Leiblichkeit für die Identität und das Selbstverständnis des heutigen Menschen anerkennt, ein möglichst umfassendes Verständnis der Sexualität und ihrer multiplen Sinngehalte herauszuarbeiten. Dabei weist er auf das Ungenügen sowohl einer reinen Aktmoral als auch einer vorwiegend normethisch geprägten Sexualethik hin und setzt dem ein ethisches Kompetenzmodell gegenüber, das helfen soll, in der selbstverantworteten Gestaltung der Sexualität zu wachsen und zu reifen. Grundlegend ist die Deutung der Sexualität als "leibliche Sprache" der Liebe, die in ihrer Bandbreite von der erotischen Anziehung bis hin zur festen Entschiedenheit zweier Menschen füreinander den "Schlüssel" darstellt für das rechte Verständnis und die sittliche Beurteilung sexueller Handlungen in einer Beziehung.
Der Referent ist überzeugt, dass die katholische Sexualmoral ein "work in progress" ist, weshalb er weniger definitive Antworten geben, sondern einige grundlegende, offene Fragen benennen sowie "Antwortrichtungen" und nötige Paradigmenwechsel aufzeigen möchte – etwa die Notwendigkeit, die Sexualmoral als Beziehungsethik zu entfalten sowie die Kompetenzen der Eheleute und das persönliche Empfinden und Erleben der Sexualität seitens jener, die eine sexuelle Partnerschaft leben, als Quelle sowohl für ein richtiges Verständnis der Sexualität als auch der sittlichen Einsicht Ernst zu nehmen. Obwohl die kirchliche Sexualmoral in den vergangenen Jahrzehnten einen Vertrauens- und Kompetenzverlust erlitten hat, kann sie dennoch eine tragfähige Grundlage bieten für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Sexualität und für das Gelingen von Beziehungen; gerade im heutigen Kontext, der oft geprägt ist von einem "Körperkult" mit seiner Fixierung auf sexuelle Fitness und einer "Banalisierung" der Sexualität, in der sie von personalen Werten losgelöst auf die Genitalität reduziert wird. Deshalb teilt Lintner die Hoffnung, dass die – nicht zuletzt aufgrund des Missbrauchsskandals – begonnene Debatte über die katholische Sexualmoral und Beziehungsethik sich nicht schon wieder verschließt oder abgewürgt wird.
Programm
Begrüßung und Einführung
Prof. Dr. Richard Heinzmann
Professor em. für Christliche Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, Vorsitzender des Stiftungsrates der Eugen-Biser-Stiftung
Vortrag
"Die traditionelle Sexualmoral der Kirche und
die personale Dimension menschlicher Sexualität"
Prof. Dr. Martin M. Lintner OSM
Anschließendes Podiumsgespräch
Dr. Christiane Florin (Moderation)
Redaktionsleiterin der Wochenzeitung "Christ & Welt" der "Zeit", Lehrbeauftragte am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Autorin von Veröffentlichungen zu Kirche und Gesellschaft [1]
Prof. Dr. Martin M. Lintner OSM
Ordentlicher Professor für Moraltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen, Mitglied des Landesethikkomitees der Autonomen Provinz Bozen, Vizepräsident der Europäischen Gesellschaft für katholische Theologie, Autor des Buches "Den Eros entgiften. Plädoyer für eine tragfähige Sexualmoral und Beziehungsethik" [2]
Dr. theol. Dipl. psych. Wunibald Müller
Gründer und Leiter des therapeutisch-spirituellen Zentrums "Recollectio-Haus" in Münsterschwarzach, psychologischer Psychotherapeut, Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu Psychotherapie, Spiritualität, Lebenshilfe und Seelsorge [3]
Diskussion mit dem Auditorium
Ausklang bei einem Stehempfang mit Brot und Wein
Fotos: Stefan Zinsmeister
Kostenbeitrag
Der Kostenbeitrag beträgt
- 10,00 Euro pro Person.
- 5,00 Euro Ermäßigung für Mitglieder des Freundeskreises der Eugen-Biser-Stiftung e.V.
- Für regulär Studierende ist der Eintritt frei.
Anmeldung
Um Anmeldung wird gebeten. Gerne können Sie dafür das folgende Formular verwenden und ausgefüllt per E-Mail oder Fax an die Eugen-Biser-Stiftung senden:
Anmeldeformular als Word-Formular
Anmeldeformular als PDF-Dokument
Eugen-Biser-Stiftung
Pappenheimstraße 4
80335 München
Telefax: +49-(0) 89-18 00 68-16
E-Mail: kontakt (at) eugen-biser-stiftung.de
Sendetermin in BR-alpha
Diese Veranstaltung der Eugen-Biser-Stiftung wird von BR-alpha aufgezeichnet. Die Bekanntgabe des Sendetermins erfolgt während der Veranstaltung sowie auf unserer Homepage.
Veranstaltungsort
Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Alfons-Goppel-Straße 11 (Marstallplatz), 80539 München
Vor dem Gebäude der Akademie bestehen keine Parkmöglichkeiten.
Öffentliche Verkehrsanbindung
U-Bahn: U3, U4, U5, U6 Odeonsplatz
S-Bahn: S1-S8 Marienplatz
Tram: 19 Nationaltheater
Bus: 100 Odeonsplatz
[1] Dr. Christiane Florin
Vitamin K. Warum wir die katholische Kirche brauchen. Alois Glück und Robert Zollitsch im Gespräch mit Christiane Florin, Freiburg im Breisgau: Herder Verlag, 2012. ISBN 978-3-451-32472-7
Eberhard Schockenhoff, Christiane Florin: Gewissen - eine Gebrauchsanweisung, Freiburg im Breisgau: Verlag Herder, 2009, ISBN 978-3-451-30118-6
[2] Prof. Dr. Martin M. Lintner
Martin M. Lintner: Den Eros entgiften. Plädoyer für eine tragfähige Sexualmoral und Beziehungsethik, Innsbruck: Tyrolia-Verlag, 2. Auflage, 2012, Erstauflage 2011,
ISBN 978-3-70223-114-9
Jörg Ernesti, Ulrich Fistill, Martin M. Lintner (Hg.): Heilige Kirche – Sündige Kirche. Brixner Theologisches Jahrbuch 1/2010, Innsbruck: Tyrolia, 2011, ISBN 978-3-70223-134-7
Jörg Ernesti, Ulrich Fistill, Martin M. Lintner (Hg.): Orte des Glaubens - Christsein zwischen Beheimatung und Heimatlosigkeit. Brixner Theologisches Jahrbuch 2/2011. Innsbruck: Tyrolia, 2012, ISBN 978-3-7022-3135-4
Martin M. Lintner: Eine Ethik des Schenkens. Von einer anthropologischen zu einer theologisch-ethischen Deutung der Gabe und ihrer Aporien, (Studien der Moraltheologie, Bd. 35), Münster u. a.: LIT Verlag, 2006, ISBN 3-8258-9762-1
[3] Dr. Wunibald Müller
Wunibald Müller: Vom Kusse seines Mundes trunken: Sexualität als Quelle der Spiritualität. Kevelaer: Topos Plus, Erstauflage Juli 2012, ISBN: 978-3-836-70802-9
Wunibald Müller: Du sollst Leib und Seele ehren: Für eine heilsame Spiritualität. München: Kösel, 2011, ISBN: 978-3-466-37019-1
Wunibald Müller: Verschwiegene Wunden - Sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche erkennen und verhindern. Mit einem Vorwort von Anselm Grün, München: Kösel, 2010, ISBN 978-3-466-37000-9
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