"Was bedeuten mir Eugen Biser und seine Theologie?"

Zusammenfassung eines Vortrags
von Erwin Teufel, Ministerpräsident a. D.

Eugen Biser spricht von einer Neuen Theologie, einer "Theologie der Zukunft". Im Zentrum seiner Lehre steht dabei das Verständnis des Christentums als einer Religion, die den Menschen die Angst nimmt, weil Gott sie bedingungslos liebt, also keine Vorbedingungen stellt, sondern alle Menschen in die Gotteskindschaft einbezieht. Eugen Biser bezieht sich dabei auf viele von Jesus überlieferte Worte, die darauf abzielen, die Menschen von ihrer Angst zu befreien, sie aus ihrem mitunter von Verzweiflung und Sinnlosigkeitsgefühlen geplagten Erdendasein herauszuholen. Sein Ansatz sind der bedingungslos liebende Gott und sein Sohn, der uns den Weg zum Vater weist. Eugen Biser betont mit dieser theologischen Akzentuierung die Heilung des Menschen von Angst und Sinnlosigkeit ebenso wie die Erlangung des ewigen Heiles durch die Liebe Gottes.

Die Lebensleistung Jesu als Religionsgründer, so Eugen Biser, war es, den Menschen ein neues Gottesbild zu vermitteln: Nicht mehr der zürnende und strafende Gott des Alten Testaments ist sein Leitbild, sondern der Gott, den die Menschen nicht durch ihre Werke gnädig stimmen müssen, sondern der sie zuvorkommend mit seiner Gnade umfängt. Es ist ein Gott, der sich nach den Worten der Bergpredigt auch den Undankbaren und Bösen in Liebe zuneigt. Damit wendet sich Eugen Biser gegen jene Satisfaktionslehre, die besagt, dass erst das Blut, das Leben, der Opfertod seines Sohnes Gott mit den Menschen versöhnten. Jesus hat uns den liebenden Gott vermittelt, er hat ihn uns in vielen Gleichnissen erschlossen. Das einzige Gebot, das er durch sein Wirken auf Erden den Menschen in all ihrer Unvollkommenheit zur Erfüllung auferlegt hat, heißt: Gottesliebe und Nächstenliebe.

Von diesem Glaubensverständnis aus ist es Eugen Biser ein tiefes Anliegen, sich mit dem modernen Atheismus auseinander zu setzen. Trotz eines "Ozeans von Atheismus", den auch er realistisch feststellt, ist er voller Hoffnung, die Welt von dem liebenden Gott überzeugen zu können. Er schöpft diese Haltung aus einem grenzenlosen Gottvertrauen, das ihn daran glauben lässt, dass die davon ausgehende Kraft stärker ist als die Verweigerungshaltung der Atheisten. Daraus leitet Eugen Biser wesentliche Ansprüche an die Kirche ab: Er will eine Kirche, die als eine Gemeinschaft der Gotteskinder in Freiheit Verantwortung übernimmt, die Solidarität und Nächstenliebe lebt und Gottes Schöpfung liebt und bewahrt. Sie muss sich darauf besinnen, dass Gott nicht nur das jenseitige Heil verkörpert, sondern auch Hilfe für unsere Lebensprobleme bieten will. Jesus sieht er im Bezug auf unser Dasein als Arzt und Heiler, der den Menschen nahe ist und jedem Einzelnen nachgeht.

Das Osterereignis, die Auferstehung, ist für Eugen Biser der Wendepunkt in der Lebensgeschichte Jesu zu seinem ununterbrochenen Fortleben im Herzen der Glaubenden. Als Erfahrung dieser inneren Gegenwart Christi ist der Glaube kein "Für wahr halten von dogmatischen Sätzen", sondern ein Vertrauen in Gott, die mystische Erhebung des Menschen zur Gotteskindschaft.

Aus der Theologie Eugen Bisers leitet sich auch die Aufgabe zum Dialog mit den anderen monotheistischen Religionen (Judentum, Islam), mit anderen Weltanschauungen und Kulturen ab. Dieser Dialog aus christlichem Ursprung ist ein zentrales Anliegen der Eugen-Biser-Stiftung.



Der vollständige Vortrag von Herrn Dr. Dr. h. c. mult. Erwin Teufel, gehalten am 16. Juli 2010 anläßlich des Symposions "Die Liebenswürdigkeit des Christentums erlebbar machen" im Kloster St. Marien zu Helfta, kann  hier  heruntergeladen werden.