- Dialogische Grundlagen der Projekte
- Dialog mit dem Judentum
- Dialog mit dem Islam
Die Projekte der Eugen-Biser-Stiftung und ihre dialogische Grundlagen
Dialog als methodisches Prinzip der Theologie Eugen Bisers und der Arbeit seiner Stiftung
Von Professor Dr. Richard Heinzmann
Christsein ist eine dialogisch-personale Wirklichkeit. Deshalb muß die Methode der Theologie, wenn sie ihrem Gegenstand gerecht werden will, ebenfalls dialogisch sein. Der Dialog liegt somit in dem christlichen Ursprung der Eugen-Biser-Stiftung begründet. Voraussetzung dafür, daß nicht nur über Dialog geredet, sondern der Dialog wirklich geführt wird, ist der Durchbruch "von der Wahrheit des Christentums zur Wahrheit Christi" (Eugen Biser).
Über absolute Wahrheitsansprüche kann man in kein Gespräch eintreten. Gerade mit ihrer Berufung auf Gott grenzen sie ab und errichten Mauern. Lehren und Definitionen stehen am Ende dieses Prozesses. Wenn also Dialog möglich sein soll, dann muß Wahrheit personal, als Wahrheit Christi, konzipiert werden. Nur dadurch werden Christentum und Kirche prinzipiell dialogfähig und damit offen für alle Menschen – eine unverzichtbare Forderung der christlichen Botschaft.
In vier konzentrischen Kreisen muß dieser Dialog nach der theologischen Grundintention von Eugen Biser angesetzt und durchgeführt werden:
- Zunächst, und das ist der erste Kreis, im innerkatholischen Raum. Eugen Biser versteht die Selbsterschließung des trinitarischen Gottes als ein den Menschen einbeziehendes, dialogisches Geschehen. Theologie und christliche Praxis müssen deshalb grundsätzlich dialogischen Gesetzen folgen. Auch die theologische Wahrheitsfindung muß in kommunikativer Auseinandersetzung geschehen. Der Weg der Verordnung von oben nach unten wird der richtig verstandenen Struktur der Kirche als Volk Gottes in keiner Weise gerecht.
- Ein zweiter Kreis – und damit die nächste Ebene des Dialogs – ist das Gespräch zwischen den christlichen Konfessionen. Theologische Streitereien über Formulierungen der vergegenständlichten Wahrheit des Christentums dürfen in keinem Fall die christliche Ökumene beherrschen. Im Vordergrund muß vielmehr das Ringen um die Einheit aus der Wahrheit Christi stehen. Biser denkt nicht von der Differenz dogmatischer Formulierungen, sondern von dem Einheitsgrund christlicher Wirklichkeit her.
- Einen dritten, noch umfassenderen Kreis bildet der Dialog mit den abrahamitischen Religionen, dem Judentum und dem Islam.
- Der vierte konzentrische Kreis umgreift schließlich alle Religionen und Weltanschauungen, die unterschiedlichen Ausprägungen des Agnostizismus und Atheismus eingeschlossen.
Aktivitäten der Stiftung
In dieser theologischen Grundstruktur zeichnen sich auch die Tätigkeitsfelder der 2002 errichteten Eugen-Biser-Stiftung als jener Institution ab, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Theologie Eugen Bisers zu erschließen, weiterzutragen und auf allen Ebenen fruchtbar zu machen. Ursprung und Zentrum all dieser Bemühungen ist und bleibt die Theologie Eugen Bisers.
Wie schon angesprochen, versteht Eugen Biser – ebenfalls dialogisch – die christliche Botschaft als Antwort auf die existentiellen Fragen der konkreten Menschen. Aus diesem Grund kommt in seinem Werk der Zeitdiagnose hohes Gewicht zu. Wir befinden uns heute nicht nur innerchristlich, sondern auch gesellschafts- und kulturpolitisch in einem tiefgreifenden und folgenschweren Umbruch – man braucht nur an die Probleme zu denken, die mit dem Stichwort "Europa" angesprochen sind.
Die Eugen-Biser-Stiftung ist in vielfältiger Weise in diesem Kontext tätig. Durch eigene Publikationen und durch die Förderung wissenschaftlicher Studien zum Werk von Eugen Biser gibt sie Impulse für den christlichen und interreligiösen Diskurs im universitären Raum.
Mit der Aufbereitung von Texten aus den Schriften von Eugen Biser wirkt die Stiftung in die Schulen und in die Gemeindearbeit hinein. Durch interkonfessionelle und interreligiöse Gespräche im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen, Kolloquien und Fernsehsendungen erreicht sie – wie aus den Reaktionen deutlich wird – eine breite, auch dem Christentum fernstehende Öffentlichkeit.
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