Projekt

Christlich-Islamisches Begriffslexikon zur Förderung des interreligiösen und interkulturellen Dialogs zwischen Christen und Muslimen

von Dr. Heiner Köster


I.   Notwendigkeit für das Lexikon

Das Miteinanderleben in der globalen Welt erfordert, dass Christen und Muslime größere Kenntnisse übereinander erwerben, um Mißverständnisse und daraus resultierende Konflikte zu reduzieren. Die Probleme von Migration, Integration und Wahrung des innergesellschaftlichen wie des internationalen Friedens benötigen Antworten, die ohne bessere wechselseitige Kenntnis und Kommunikation nicht mit Erfolg gegeben werden können.

Diese globalen Gesichtspunkte gelten für jeden Staat mit christlichen und muslimischen Einwohnern.

Die Kenntnisse der Muslime über das Christentum und die darauf basierende westliche Kultur sind oft nur rudimentär. Dies gilt entsprechend für die christlichen Partner im interreligiösen/interkulturellen Dialog mit den Muslimen. Es genügt aber nicht, nur an der Oberfläche Vorurteile und latente Ängste abzubauen. Vielmehr ist die Klärung der je eigenen christlichen bzw. muslimischen Grundsatzfragen die Voraussetzung für alle gemeinsamen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Bemühungen.

Das Lexikon wird in deutscher und türkischer Sprache erscheinen und wendet sich an Muslime und Christen in der Türkei und in Deutschland sowie in anderen deutsch bzw. türkisch sprechenden Ländern. Das Lexikon soll darüber hinaus einen Beitrag zur Förderung des interkulturellen deutsch-türkischen Zusammenlebens leisten. Deutschland hat eine wachsende muslimische Bevölkerung von gegenwärtig 4,3 Millionen Einwohnern; davon haben etwa 2,6 Millionen Einwohner türkische Wurzeln. Nach den Ergebnissen einer im Juni 2009 veröffentlichten Untersuchung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Nürnberg, ("Muslimisches Leben in Deutschland") haben sich mehr als 86 % der muslimischen Bevölkerung als "eher gläubig" bezeichnet; 41,4 % der Muslime mit türkischen Wurzeln haben sich als "sehr stark gläubig" beschrieben.

Im Anschluß an die deutsche und türkische Veröffentlichung des Lexikon soll es in englischer Sprache erscheinen und damit eine potentiell sehr große Leserschaft in den englisch sprechenden Ländern erreichen. Eine arabische Fassung wird diskutiert.

 

II.   Zielgruppen für das Lexikon

Das Lexikon soll eine breite Leserschaft ansprechen; es wendet sich insbesondere an:

  • Repräsentanten von Religionsgemeinschaften, Imame und Religionslehrer

  • Lehrplangestalter und Bildungsplaner

  • Schüler der Oberstufe und Studenten

  • Theologen und Philosophen

  • Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft

  • Repräsentanten von Kultur und Wissenschaft

  • Vertreter der Medien

  • und alle an der Thematik interessierte Personen

 

III.   Zusammenarbeit mit Professoren der Islamisch-Theologischen Fakultät der Ankara Üniversitesi

Bei den von der Eugen-Biser-Stiftung und der Islamisch-Theologischen Fakultät der Ankara Üniversitesi gemeinsam durchgeführten wissenschaftlichen, theologischen und philosophischen Symposien haben die muslimischen und die christlichen Professoren die Überzeugung gewonnen, dass für eine sachgerechte Kommunikation die Erarbeitung eines bisher nicht vorhandenen Begriffslexikons für die Erläuterung der verwendeten Begriffe erforderlich ist. Mit dem Christentum und dem Islam begegnen sich Religionen, die nach einem Diktum des christlichen Religionswissenschaftlers arabischer Herkunft Professor Adel Theodor Khoury (Münster) einander "nahe und fern zugleich" sind. Dies vergrößert die Gefahr von Mißverständnissen.

Ein besonderes Merkmal dieses Begriffslexikons ist die Zusammenarbeit von islamischen türkischen Wissenschaftlern mit christlichen deutschen Theologen und Philosophen, um auf der Höhe der jeweiligen theologischen Forschung ein kohärentes Bild der beiden Religionen und ihrer Lebenswelten zu vermitteln.

 

IV.   Gesamtverantwortung

Die Gesamtverantwortung für das Projekt liegt bei der Eugen-Biser-Stiftung, welche die nachstehend in Ziff. V bezeichneten Personen als Herausgeber beauftragt hat.

 

V.   Beteiligte Personen

1 a) Deutsche Herausgeber

  • Univ.-Professor em. Dr. Richard Heinzmann (Ludwig-Maximilians-Universität München), Vorsitzender des Stiftungsrates der Eugen-Biser-Stiftung;

  • Univ.-Professor Dr. Dr. Peter Antes (Universität Hannover, Seminar für Religionswissenschaft/Schwerpunkt Islamwissenschaft); Mitglied des Kuratoriums der Eugen-Biser-Stiftung

1 b) Deutscher Koordinator

  • Professor Dr. Martin Thurner (Ludwig-Maximilians-Universität München); Mitglied des Stiftungsrates der Eugen-Biser-Stiftung.

2 a) Türkische Herausgeber

  • Univ.-Professor Dr. Mualla Selçuk (vormalige Dekanin der Islamisch-Theologischen Fakultät der Ankara Üniversitesi)

  • Univ.-Professor Dr. Halis Albayrak (Islamisch-Theologische Fakultät der Ankara Üniversitesi)

2 b) Türkischer Koordinator

  • Univ.-Professor Dr. Ahmet Nedim Serinsu (Islamisch-Theologische Fakultät der Ankara Üniversitesi)

3. Autoren

Als Autoren für die Definition der christlichen bzw. islamischen Bedeutung eines Begriffs wurden ausgewiesene universitäre Fachwissenschaftler von der Eugen-Biser-Stiftung bzw. von der Islamisch-Theologischen Fakultät der Universität Ankara ausgewählt.

 

VI.   Liste der zu erläuternden Lemmata

Die Gesamtliste der Lemmata wird ca. 600 Begriffe enthalten. Alle Lemmata sollen im Internet veröffentlicht werden. Eine Auswahl der wichtigsten ca. 300 Lemmata soll vorab als Buch in deutscher Sprache erscheinen. Das türkischsprachige Buch soll zeitgleich herauskommen.

Die Auswahl der Lemmata orientiert sich an den zentralen Lehren des Christentums und des Islam sowie an den jeweiligen aktuellen gesellschaftlichen Problemen.

 

VII.   Definition der ausgewählten Lemmata

Für die Definition der einzelnen Lemmata gelten u. a. folgende Grundsätze:

  • Die Definitionen aus islamischer Sicht werden von türkischen Professoren der islamischen Theologie in türkischer Sprache, solche aus christlicher Sicht von deutschen Professoren der christlichen Theologie in deutscher Sprache vorgenommen. Einige Artikel werden von deutschen bzw. türkischen Professoren der Fachgebiete Recht, Soziologie und/oder politische Wissenschaften in Deutsch bzw. Türkisch geschrieben.

    Wegen dieser Zweisprachigkeit der Artikel, die für die jeweils andere Seite nur in ihrer Sprache, d. h. in Türkisch oder in Deutsch verständlich sind, besteht ein großer Übersetzungsaufwand (für jeden Arbeitsstand der Artikel), der höchste Anforderungen an das Fachwissen der Übersetzer stellt.

  • Der Umfang der christlichen und islamischen Lexikonartikel soll im Durchschnitt je 350 Wörter betragen; in Ausnahmefällen kann hiervon – auch erheblich – abgewichen werden.

  • Ein Lexikonartikel komprimiert das Wesentliche, d. h. er enthält nur das Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit, nicht aber den Nachweis der jeweiligen Herleitung. Daraus ergibt sich insbesondere der Verzicht auf die Angabe von Sekundärliteratur und Fußnoten (kein wissenschaftlicher Apparat). Dem Lexikon wird aber eine von den Herausgebern verabschiedete Liste weiterführender Literatur beigegeben.

  • Die Artikel werden auf dem heutigen Stand der christlichen bzw. muslimischen Wissenschaft erarbeitet. Abweichende Richtungen innerhalb des Christentums bzw. Islams werden – je nach ihrer Bedeutung – berücksichtigt.

 

VIII.   Sprachen

  1. Die Lemmata werden zuerst in einer deutschen und in einer türkischen Buchveröffentlichung erscheinen.

  2. Eine englische Übersetzung des Buches (vgl. VI) soll ca. ein Jahr nach dem Erscheinen der deutschen und der türkischen Edition vorliegen.


IX.   Durchführung und gegenwärtiger Stand des Projektes

  1. Die Eugen-Biser-Stiftung, die von ihr beauftragten deutschen Wissenschaftler und die Wissenschaftler der Ankara Üniversitesi arbeiten an der Konzeption und der Durchführung des Projektes seit Ende 2006. Die Arbeit erfolgt schrittweise, in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit ausreichender finanzieller Mittel.

  2. Sachstand
  • Aus der Liste der Lemmata wurden – für den ersten, bis 2011 reichenden Arbeitsschritt – ca. 300 ausgewählt. An deren Fertigstellung wird derzeit intensiv gearbeitet. Wie in den vergangenen Jahren werden auch weiterhin in regelmäßigen Abständen Redaktionsbesprechungen türkischer und deutscher Autoren unter Vorsitz der Herausgeber stattfinden.

  • Es ist das gemeinsame Ziel, das Wörterbuch als Buch (mit ca. 300 der wichtigsten Begriffe – vgl. vorstehend VI.) – sobald wie möglich zu veröffentlichen im Hinblick auf die Bedeutung des Wörterbuchs für den interreligiösen und interkulturellen Dialog und für die Förderung einer besseren Verständigung zwischen Christen und Muslimen.



Die Christlich-Islamischen Projekte der Eugen-Biser-Stiftung
- Begriffslexikon, Symposien und Expertentagungen -
werden aus Mitteln des Europäischen Integrationsfonds kofinanziert.